BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ortsverband Gelnhausen

GRÜNE hinterfragen mobile Spinnen- und Insektenausstellung in städtischer Halle

Lebende Tiere sind keine Ausstellungsstücke

25.08.26 –

Mehr als 80 Terrarien mit lebenden Tieren, darunter Vogelspinnen, Skorpione, Insekten und Tausendfüßer, sollen am kommenden Sonntag in der Sport- und Kulturhalle in Meerholz präsentiert werden. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen nimmt die in einer städtischen Halle stattfindende mobile Tierausstellung zum Anlass für eine parlamentarische Anfrage – und stellt zugleich eine grundsätzliche Frage: Müssen lebende Tiere heute noch für unsere Freizeitgestaltung von Stadt zu Stadt transportiert und einem wechselnden Publikum präsentiert werden?

„Uns geht es ausdrücklich nicht darum, dem Veranstalter einen Verstoß gegen das Tierschutzrecht zu unterstellen“, erklärt die Fraktion. „Aber legal und verantwortungsvoll sind nicht automatisch dasselbe. Gerade wenn eine Stadt ihre eigene Halle für eine solche Veranstaltung zur Verfügung stellt, sollte man sich damit auseinandersetzen, was aktuelle tierschutzfachliche Erkenntnisse über mobile Tierausstellungen sagen.“

Aktuelle Tierschutzempfehlungen sehen mobile Schauen kritisch

Anlass für die Kritik ist insbesondere das im Januar 2026 aktualisierte Merkblatt Nr. 66 der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) zur Haltung und zum Zur-Schau-Stellen von Vogelspinnen. Die TVT weist darauf hin, dass bereits das Handling für Vogelspinnen eine Stresssituation darstellen kann. Noch deutlicher fällt ihre Bewertung mobiler Ausstellungen aus: Den Einsatz von Spinnen auf mobilen Schauen lehnt die Vereinigung ausdrücklich ab. Als wesentlichen Grund nennt sie die Belastungen, die bereits durch den Transport zu und von den jeweiligen Ausstellungen entstehen.

Auch weitere tierschutzfachliche Untersuchungen und Stellungnahmen benennen Faktoren, die bei mobilen Tierausstellungen eine Rolle spielen können: wiederholte Transporte, Auf- und Abbau, wechselnde Umgebungen, Publikumsverkehr, Erschütterungen, fehlende Rückzugsmöglichkeiten und die zeitweise Unterbringung in Ausstellungsbehältnissen.

„Bei einer Wanderausstellung beginnt die Frage nach dem Tierwohl deshalb nicht erst morgens mit dem Öffnen der Hallentür und endet nicht mit dem letzten Besucher“, so die Fraktionsvorsitzende und Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Tierschutz Annika Streit. „Die Tiere werden transportiert, die Ausstellung wird aufgebaut, sie verbringen Stunden in einer fremden Umgebung und werden anschließend wieder verladen und zum nächsten Veranstaltungsort gebracht.“

Genau dieser Punkt ist bei der aktuellen Ausstellung relevant: Nach dem veröffentlichten Tourneeplan fand unmittelbar zuvor eine Veranstaltung in Mühlheim am Main statt; wenige Tage nach Gelnhausen folgt bereits der nächste Veranstaltungsort.

Fand vor der Hallenvermietung tierschutzfachlich eine Prüfung durch das Veterinäramt statt?

Mit ihrer parlamentarischen Anfrage will die Fraktion deshalb unter anderem wissen, welche Informationen der Stadt vor Abschluss des Mietvertrages vorlagen und ob sie das Veterinäramt des Main-Kinzig-Kreises sich vor der Vermietung einer städtischen Halle für eine solche Ausstellung abgestimmt hat.

Gefragt wird unter anderem nach der tierschutzrechtlichen Erlaubnis, möglichen Nebenbestimmungen, der Anzeige des Ortswechsels, der Eignung der Sport- und Kulturhalle sowie nach der geplanten veterinärbehördlichen Kontrolle.

Besonders interessiert dabei, ob dabei nicht nur die Ausstellung während der Öffnungszeiten betrachtet wird, sondern auch Anlieferung, Aufbau, Transport, Abbau und Weitertransport der Tiere.

„Eine vorhandene Genehmigung kann nicht das Ende der politischen Diskussion sein“, erklärt Lukas Happe, Sprecher des Ortsverbandes. „Wenn aktuelle tiermedizinische Erkenntnisse bestimmte Formen der Präsentation kritisch bewerten, sollte sich eine Kommune fragen, ob sie ihre eigenen Räumlichkeiten hierfür zur Verfügung stellen möchte.“

Unterhaltung auf Kosten von Tieren?

Die GRÜNEN wollen deshalb auch eine grundsätzliche Diskussion darüber anstoßen, welche Veranstaltungen künftig in städtischen Einrichtungen stattfinden sollen.

„Die meisten von uns würden heute selbstverständlich hinterfragen, wenn Wildtiere für ein paar Stunden Unterhaltung durch Deutschland gefahren würden. Bei Spinnen, Skorpionen oder anderen Wirbellosen fällt uns diese Abwägung offenbar noch schwerer“, so Streit. „Aber auch Tiere, die weniger niedlich oder emotional zugänglich erscheinen, haben Bedürfnisse und reagieren auf ihre Umwelt.“

Die Fraktion möchte deshalb auch Besucherinnen und Besucher zum Nachdenken anregen:

Brauchen wir tatsächlich den unmittelbaren Anblick eines lebenden Tieres in einem Terrarium, um etwas über seine Lebensweise zu erfahren? Und rechtfertigt unser Interesse einen regelmäßigen Transport von Veranstaltungsort zu Veranstaltungsort?

Moderne Naturkundemuseen, Tier- und Naturschutzorganisationen sowie digitale Bildungsangebote zeigten längst, dass faszinierende Einblicke in die Welt von Spinnen, Insekten und anderen Tieren auch möglich seien, ohne lebende Tiere im Rahmen einer Wanderausstellung durch verschiedene Städte zu transportieren.

„Jeder und jede entscheidet selbst, welche Veranstaltungen besucht werden“, betonen die GRÜNEN. „Wir wünschen uns aber, dass Menschen vor einem Besuch kurz überlegen, was ein solcher Nachmittag für die ausgestellten Tiere bedeutet. Manchmal ist die tierfreundlichste Entscheidung eben auch, auf einen Besuch zu verzichten.“

Konsequenzen für zukünftige Veranstaltungen

Nach Auffassung der GRÜNEN sollte die aktuelle Veranstaltung unabhängig vom Ergebnis der behördlichen Prüfung Anlass sein, verbindliche Kriterien für zukünftige Hallenvermietungen zu entwickeln.

„Wir sollten nicht erst bei jeder einzelnen Veranstaltung neu darüber diskutieren, welche Rolle Tierwohl bei der Vergabe städtischer Einrichtungen spielt“, erklärt Happe abschließend. „Unser Ziel muss sein, transparente Regeln zu schaffen und künftig bereits vor Vertragsabschluss zu prüfen, ob Veranstaltungen mit lebenden Tieren mit dem Anspruch einer modernen, verantwortungsvollen Kommune vereinbar sind.“

Medien

GRUENE.DE News

Neues